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Bearbeitet am: 11/12/2019 08:34:09

von Walter Pfluger, Mitglied des Organisationsteams

Der Anthroposophische Kongress von 1922: Das geistige Umfeld in Wien im Rückblick

Wenn wir uns geistig einlassen wollen auf den kommenden Kongress Ost-West Wien 2022, dann gibt es keinen besseren Ausgangspunkt, keine bessere Grundlage, als die Vorträge, die Rudolf Steiner auf dem WIENER KONGRESS DER ANTHROPOSOPHISCHEN BEWEGUNG vom Jahre 1922 gehalten hat. Sie sind für uns also der erste Bezugspunkt.

In dem BERICHT RUDOLF STEINERS IN DORNACH AM 18. JUNI 1922 an die Freunde des Goetheanum verweist Steiner auf das Wesen von Wien, das dem Kongress von 1922 eine besondere Aufgabe zugeteilt habe, und auf diese Weise wohl auch das Thema bestimmt hat, das der „Westlichen und östlichen Weltgegensätzlichkeit“ gewidmet ist und sich der Frage widmet, wie „Wege zu ihrer Verständigung durch Anthroposophie“ gefunden und aufgezeigt werden können.
Es ist also hier ganz dezidiert kein Thema, das sich um Ost-West Europa dreht, sondern um „Verständigung, (die) über die ganze Kulturwelt kommen muß“.
Dieser globale Anspruch wird auch noch einmal deutlich, wenn wir uns die Kapitel vor Augen führen, welche die einzelnen Themenbereiche der insgesamt 10 Vorträge von Steiner untergliedern.

Da nennt Steiner den dritten Vortrag „Anthroposophie und Weltorientierung“ und fragt nach „Ost-West in der Geschichte“. Im siebten Vortrag, welcher der Soziologie gewidmet ist, spricht Steiner über „Die Zeit und ihre soziale Gestaltung“ mit einem besonderen Augenmerk auf die „Atlantische und Pazifische Kultur“. Diesem folgt der achte Vortrag der „Die Zeit und ihre sozialen Mängel“ aus der Sicht von Steiner aufzeigt und den Fokus auf den geographischen Raum „Asien-Europa“ legt. Der neunte Vortrag wiederum widmet sich der westlichen Kultur und zeigt „Die Zeit und ihre sozialen Hoffnungen“ als das große Thema und die große Aufgabe, sozusagen den aktuellen Auftrag, für „Europa-Amerika“. Bevor dann der zehnte Vortrag „Die Kernpunkte der sozialen Frage“ zusammenfaßt, eines der grossen Themen, die Steiner in dieser Zeit nach dem 1. Weltkrieg besonders bewegt haben.

Wir wollen uns also auf diesen Rahmen, der durch die Vorträge Steiner und ihre Struktur vorgegeben ist, einlassen. Dies scheint uns gewinnbringend und Erkenntnis fördernd, weil wir davon ausgehen dürfen, ja müssen, dass Steiner die Inhalte und die Struktur der Vorträge mit Vorsatz gewählt hat. In diesem Sinne wollen wir uns also fragen, was Steiner gesagt hat, und was er als Botschaft den Menschen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts geben wollte. Dies führt dann dazu, uns zu fragen, was er uns sagen wollte, als den Menschen in der „Anthroposophischen Bewegung“ in dieser Zeit des beginnenden dritten Jahrtausends der Zeitrechnung. Dieser direkte Bezug auf die Vorträge von Rudolf Steiner ist uns also wichtig, wobei wir zudem im Auge behalten wollen, dass unser eigenes Verständnis natürlich auch immer zeitgeprägt ist. Dies hat direkt mit dem Entwicklungsgedanken zu tun, der für die Anthroposophie ja insgesamt von zentraler Bedeutung ist. Wie wir von Steiner wissen, findet Entwicklung nicht nur in der drei-dimensionalen physischen Welt, sondern auch in der geistigen Welt statt.